Seit rund einem Jahr haben der neu gewählte Gemeinderat und der neue Bürgermeister die Geschicke der Landgemeinde Geratal in der Hand.Freies Wortbe fragte dazu die Ortschaftsbürgermeister. Heute antwortet Hans-Georg Fischer aus Frankenhain.


Wie habenSie als Ortschaftsbürgermeister die vergangenen zwölf Monate erlebt?
Hans-Georg Fischer:
Seit dem 1.1.2019 gibt es die Gemeinde Frankenhain nicht mehr. Wir sind nunmehr eine Ortschaft in der Landgemeinde Geratal. Zum Zeitpunkt des Beitritts waren wir eine finanziell recht gut aufgestellte Gemeinde, der Bankbestand zum 1.1.2019 betrug rund 300000 Euro, hinzu kamen Rücklagen von fast 50000 Euro und bereits im Jahre 2017 ausgelöste Kaufverträge wurden erst 2019 kassenwirksam. Zuzüglich der „Hochzeitsprämie“ hatten wir fast 500000 Euro als „Einlagen“ eingebracht. Der Schuldenstand betrug rund 90000 Euro, wobei im Juni 2019 die letzte große Kreditrate auslief und die Gemeinde theoretisch erstmals nach zehn Jahren, nachdem die Kredite für das Bürgerhaus beglichen werden konnten, wieder einen Kredit hätte aufnehmen können. Der Schuldenstand war gegenüber dem Schuldenstand der anderen Gemeinden, die sich zur Landgemeinde Geratal zusammengeschlossen haben und die hier für über acht Millionen Euro in die Gemeinde eingebracht haben, sehr gering. Die letzten Monate waren sehr erlebnisreich und von vielen Rückschlägen fürunsere Ortschaft gekennzeichnet.

Hierzu einige Beispiele:
Der„alte“ Gemeinderat der Gemeinde Frankenhain hatte in seinem Haushalt im Februar 2018 beschlossen, dass im Jahr 2019 die Lütschestraße saniert werden und ein Löschfahrzeug erworben werden sollte. Letzteres kam nicht zustande,weil hierfür keineFördermittel vom Land bereitgestellt wurden. Die Verwaltung hat es darüber hinaus versäumt, den Fördermittelantrag für die Lütschestraße zu stellen, so dass diese rerst 2020 eingereicht werden konnte. Wir hoffen, dass 2021 trotz der Coronakrise dieFördermittel für das Projekt fließen können. Als einziger staatlich anerkannter Erholungsort in der neuen Gemeinde hatten wir die Möglichkeit, für den klassifizierten Wanderweg „Flößgraben-Rundwanderweg“ Fördermittel zu beantragen. Das Land hat hierfür zwei Millionen Euro für klassifizierte Wanderwege bereitgestellt, die zu 100 Prozent gefördert werden konnten. Einen entsprechenden Fördermittelantrag hat die Ortschaft an die Verwaltung weitergereicht. Leider wurde dieser grundlegend von der Verwaltung geändert, so dass eine Förderung nicht fließen konnte. Es muss darauf verwiesen werden, dass der klassifizierte „Flößgraben-Rundwanderweg“ nicht nur die Ortschaft Frankenhain, sondern auch die Ortschaft Gräfenroda durchläuft und somit nicht nur für Frankenhain, sondern auch für die Ortschaft Gräfenrodaein mögliches „Aushängeschild“ fehlt. Der Ortschaftsrat Frankenhain hat im Dezember beschlossen, einen Antrag auf Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm zu stellen und die Verwaltung beauftragt, die notwendigen Schritte hierfür einzuleiten. Es muss darauf verwiesen werden, dass bereits ein Dorfentwicklungskonzept vorhanden war, das nur noch fortzuschreiben war. Leider hat die Verwaltung dies bis zur Abgabe im Mai 2020 nicht vollziehen können.

Wie gut oder weniger gut, glaubenSie, sind die sechs Ortschaften unter dem Dach der Landgemeinde zusammen gewachsen?
Man muss einschätzen, dass die Gemeinde Frankenhain innerhalb der sechs Gemeinden „stiefmütterlich“ berücksichtigt wird. Dies ist vorallem bei Investitionen feststellbar. Schwerpunkte der Investitionen der Gemeinde Geratal der letzten Monate und in diesem Jahr sind: Löschwasserzisterne Gossel; Kindergarten Geraberg; Neubau Kindergarten Gossel; Neubau Vereinsgebäude im Sportpark Geraberg; Geratalstraße Geraberg; Borngasse Geschwenda; Ortsdurchfahrt Liebenstein; Hammeracker Liebenstein; Brücke/Straße Weide Geraberg; Heinrich-Heine-Straße, Schillerstraße, Waldstraße, Lindenplatz Gräfenroda, Bürgerhaus (DeutscherHof) Gräfenroda; Heizung Schule Geschwenda; Röderschlößchen Liebenstein; Verbindungsstraße Geschwenda–Geraberg; Tartanbahn Geschwenda; Heizung Rathaus Geschwenda; Planungen für die Dorferneuerungen in den Orten Liebenstein, Geschwenda, Gräfenroda, Buswendeschleife am Dörrberger Hammer. Im Jahr 2019 wurde in Frankenhain die Jägerstraße fertig gestellt. Ursprünglich war vorgesehen und so im Haushalt 2018 der Gemeinde Frankenhain im Februar 2018 festgelegt,dass diese Straße im Jahr 2018 fertiggestellt wird. Leider hat es damals anonyme Anzeigen gegeben, die die Rechtmäßigkeit des Haushaltes anzweifelten. Diese Anschuldigungen konnten nach intensiver Prüfung durch die Kommunalaufsicht nicht bestätigt werden, jedoch entstand ein großer zeitlicher Verzug bei der Genehmigung des Haushalts, so dass diese Baumaßnahme erst im Spätherbst 2018 begonnen und 2019 endlich fertig gestellt werden konnte. Dies hat auch dazu beigetragen, dass sich die Baumaßnahme verteuert hat. Verglichen mit der Geraer Straße in Geraberg ist die Jägerstraße nur ein Zehntel mal so lang oder ein Viertel von der Länge der Schillerstraße in Gräfenroda.
Im Jahr 2020 soll die Wiesenstraße Frankenhain instand gesetzt werden.Ein grundhafterAusbau und somit der Anschluss an die Kläranlage und Erneuerung der Trinkwasserleitungen sind leider nicht mit vorgesehen, sodass in ein paar Jahren dann, sofern noch Geld da ist, die Wiesenstraße grundhaft ausgebaut werden kann. In Frankenhain gibt es darüber hinaus eine Vielzahl sanierungsbedürftiger Straßen, wie beispielsweise die Gisselstraße, die Straße Am Sportplatz und die mittlere Max-Straßenmeyer-Straße. Auch fehlt der Anschluss an die Kläranlage einiger anderer Straßen.

Was ist bisher gut gelaufen?
Die Ortschaft Frankenhain ist staatlich anerkannter Erholungsort. Um diesem gerecht zu werden, haben wir in enger Kooperation mit der Gemeinde viele Projekte voran gebracht, von denen auch die anderen Orte unserer Landgemeinde profitieren. 80000 Euro an Fördermitteln haben wirfür den GeoWanderweg als Förderung erhalten. Der GeoWanderweg wird auch die Ortschaft Gräfenroda betreffen. Darüber hinaus sind Anbindungen von Oberhof und Crawinkel geplant. Die Zusammenarbeit mit dem Nationalen Geopark „Inselberg–DreiGleichen“, dem Biosphärenreservat „ThüringerWald“ und dem Naturpark Thüringer Wald konnte gefestigt werden. Eine Naturpark-Meisterei wird uns zukünftig bei der Unterhaltung und Ausschilderung und beim Aufstellen von Bänken und Sitzgruppen unterstützen. Dies betrifft nicht nur Frankenhain, sondern auch die anderen Orte der Gemeinde. Der Radweg „Waldrandroute“ ist in unserem Gebiet nahezu fertiggestellt. Es fehlen noch die sogenannten „Waldmöbel“ ,die Beschilderung und die Anschauungs, und Erklärungstafeln. Die Waldrandroute ist vonüberregionaler Bedeutung. Die Gemeinde Geratal hat sich hier Sehr nachhaltig eingebracht.

Was hätte man besser machen sollen oder sollte man in Zukunft besser machen?
Der Anlauf und das Zusammenwachsen zur neuen Landgemeinde Geratal war sehr schleppend und von Unwegsamkeiten geprägt. Unterstützung und Moderation oder Mediation von außen wären hier angezeigt gewesen. Das Zusammenwachsen der Vereine in der neuen Gemeinde ist noch nicht optimal. Es wäre sinnvoll, ein Kuratorium der Vereine zu initiieren, damit die Vereinsarbeit besser koordiniert werden kann. Zukünftig sollen kontinuierlich Ortschaftsbürgermeister-Runden durchgeführt werden, um damit auch den Vorgaben der Thüringer Kommunalordnung Rechnung zu tragen. Noch gibt es keine ÖPNV-Anbindung an das Naherholungsgebiet Lütschestausee. Bereits seit vielen Jahren haben wir dies gefordert. Wichtig ist, dass der Campingplatz in das Liniennetz einbezogen wird, denn dort befinden sich in den Sommermonaten mehr Camper als mancher Ort in unserer Gemeinde Einwohner hat. Darüber hinaus gibt es ein riesiges Problem mit den Tagestouristen am Lütschestausee, insbesondere die Situation des ruhenden Verkehrs muss zwingend angegangen werden. Die in der Gemeinde vorhandenen E-Bikes sollten, solange es keine ÖPNV-Anbindung gibt, aber auch darüber hinaus touristisch genutzt werden, damit das Naherholungsgebiet am Lütschestausee davon partizipieren kann. Die über Fördermittel bereits erworbenen 21 Fahrräder, die in der Landgemeinde stehen, sollten hierfür sinnvoll, nachhaltig und zielgerichtet verwändt werden.
Wie gut fühlen sich die Einwohner von Frankenhain in der Landgemeinde Geratal aufgehoben?
Hierzu gibt es in der Bevölkerung gegensätzliche Auffassungen, die hier nicht alle dargelegt werden können. Viel Kritik gab es in den letzten Tagen,weil nicht ausreichend gemäht wird. Die Mitglieder in den Vereinen freuen sich riesig über die finanzielle Förderung, die den Vereinen durch die Gemeinde Geratal gewährt wird. Durch Beschluss des Gemeinderats erhält der SV Eintracht Frankenhain im Haushaltsjahr 2020 einen Zuschuss von 30000 Euro, darüber hinaus werden die gemeindeeigenen Vereinsgebäude durch die Gemeinde unterhalten und der Heimat-und Verkehrs-Verein soll zukünftig das historische Sägewerk übertragen bekommen, um es museal zu nutzen. Probleme gibt es immernoch bei der Zustellung von Paketen und Briefen auf Grund der neuen Adressen. Dies ist bedingt durch die Vielzahl der Zustellungsfirmen.

War es rückblickend richtig, dass sich Frankenhain der Landgemeinde angeschlossen hat?
Die Gebietsreform in Thüringen, verbunden mit der Neugliederung von Gemeinden und Gebietskörperschaften, war ein notwendiger und zukunfts weisender Prozess, um dem demographischen Wandel entgegen zuwirken. Bezogen auf unsere Ortschaft hätte die Neugliederung weitsichtiger und geordneter ablaufen können. Der damalige Gemeinderat war an Beschlüsse zur ordnungsgemäßen Umsetzung der Gebietsreform gebunden. Es sollten alle Möglichkeiten geprüft werden. So hätte unter anderem die Möglichkeit bestanden, zu einem späteren Zeitpunkt der Landgemeinde beizutreten und erst die bereits konzipierten Projekte, wie Erwerb des Einsatzfahrzeuges der Feuerwehr, Straßenbau umzusetzen. Dies hätte die finanzielle Situationzugelassen. Durch bewusste Fehlinformation der Bevölkerung hatte sich die Situation in der Gemeinde so zugespitzt, dass ein vorbehaltloser sofortiger Beitritt als alternativlos erschien. Bekanntlich gab es auch nach dem 1.1.2019 weitere Gemeindeneugliederungen, bei denen es auch noch „Hochzeitsprämien“ gab und das geordnete Zusammenwachsen zur Landgemeinde wäre auch für Frankenhain möglich gewesen.